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Buchlesung in der Stadtbibliothek |
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Buchlesung in der
Stadtbibliothek Dippoldiswalde
Zu einer bemerkenswerten Buchlesung und -vorstellung hatten Kerstin Mühle, Leiterin der Stadtbibliothek Dippoldiswalde, und ihre Mannschaft am 18. März in den Keller der Stadtbibliothek eingeladen.
Mit Dr. Reimar Börnicke (vormals Leiter des Kulturamtes beim Landratsamt) und Thomas Günther (Pfarrer in Reichstädt) hatten die Veranstalter auch eine besonders glückliche Hand bei der Auswahl der Vortragenden.
Mario Fahrland (Stadtrat von Dippoldiswalde) als vorgesehener dritter Referent war leider wegen Krankheit an einer Teilnahme verhindert.
Zahlreiche Besucher waren gekommen und füllten den Keller bis auf den letzten Platz.
Die beiden Bücher "Kulturmosaik o Geschichte und Geschichten aus dem Weißeritzkreis" sowie "Molen is' ooch Arbeet o Erinnerungen an Karl-Heinz Loßnitzer" wurden den Lesern der "Reichstädter Nachrichten" durch die Rezensionen in den Heften 01/2004, S. 9 und 02/2005, S. 10 bereits vorgestellt.
Pfarrer Thomas Günther aus Reichstädt stellte "Wanderungen mit Robert Walser" von Carl Seelig (Verlag Suhrkamp, 2001) vor. Robert Walser (1878-1956), dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 125. Mal jährt, gehört zu den doppeldeutigsten Schriftstellern seiner Zeit. Obgleich Autoren wie Hermann Hesse, Stefan Zweig, Robert Musil oder Franz Kafka die Schriften von Robert Walser sehr schätzten, blieb er Zeit seines Lebens verkannt und fast unbeachtet. Entdeckt und gelesen wurde er erst in den 60/70er Jahren. Heute allerdings gilt er als einer der wichtigsten Schweizer Autoren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1929 ließ sich Robert Walser, zunächst freiwillig, in die psychiatrische Klinik einweisen, 1933 wurde er jedoch gegen seinen Willen in die Heilanstalt Herisau überstellt, wo er noch 23 Jahre als vergessener anonymer Patient lebte, ohne eine Zeile zu schreiben. In dieser Heilanstalt besuchte ihn ab 1936 häufig sein Bewunderer - und späterer Vormund - Carl Seelig, der in dem Buch Wanderungen mit Robert Walser über seine Gespräche mit Walser aus dieser Zeit berichtet und ein einzigartiges Porträt dieses "verstummten" Dichters entwirft.
"Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär" (Verlag Goldmann, 2002) von Walter Moers wurden wegen Erkrankung von Mario Fahrland von Kerstin Mühle und Kristina Walther vorgestellt. Es ist der erste Roman des Zeichners des "Kleine(n) Arschloch(s)": eine dicke Schwarte von 720 Seiten, in der ein Geistesblitz den nächsten jagt.
In seinen dreizehneinhalb Leben begegnet der Blaubär gehässigen Stollentrollen, unangenehmen Nattifftoffen, quasselnden Tratschwellen, durch die Wüste ziehenden Gimpeln, dem Wahnsinn, Fredda, der Berghutze, eben einer Vielzahl skurriler Figuren. Ab und an illustriert der Zeichner Moers die Gestalten des Erzählers Moers, ein Glücksfall natürlich, aber im Vordergrund steht der Text. Moers ist ein begnadeter, ironischer Erzähler, mit ungeheurem Sprachwitz, ausgefeilten Ausdrücken. Und man freut sich über die irrwitzigen Inhalte der Abenteuer. Ob er mit dem Rettungssaurier Mac als Navigator fliegt, eine Fata Morgana am Wüstenboden verklebt, durch Dimensionslöcher stürzt oder sich ein Duell mit dem Lügengladiator liefert: die Spannung bleibt ungebrochen (außer beim sechsten Kapitel), die 13 1/2 Leben sind unglaublich - Münchhausen ein blutiger Laie im Vergleich zu Moers.
Weitere Informationen: http://www.dippoldiswalde.de/bibo/news/news.htm Text: Kerstin Mühle und Prof. Dr. Adolf Heger |